Mein Freund der Baum ist tot!
Der heutige Tag ist notgedrungen einem Freund unserer Familie gewidmet, einem Baum. Heute schlug in einer Orkan-Böe gegen 11:00 Uhr die letzte Stunde unserer 20 Meter hohen japanischen Sumpf-Rotlerche, im Volksmund auch Mammut-Baum genannt. Nach über 100 Jahren saftigen Wachstums hat es sie einfach in der Mitte zerrissen. Nur zwei Meter stand sie vor unserem Haus. Denn das Haus wurde einst an sie heran gebaut. Als sie noch etwas kleiner war, so vor 40 bis 50 Jahren, war sie eingebettet in die Parklandschaft eines Bauernhofes. Noch viel früher hat sie sogar miterlebt, wie die Düssel an ihren Wurzeln vorbei mäandrierte. Und jetzt? An einem schnöden verregneten Dezember-Tag da fällt sie einfach um? Es ist so traurig. Erinnerungen kommen hoch. Unglaublich, aber ein Baum kann einem richtig ans Herz wachsen. Wenn ich nachts nicht schlafen konnte, habe ich auf dem Sofa gelegen und in die stämmige Astgabel geschaut. Im Wind sind die Äste leicht hin- und her gezittert. Nichts deutete auf Schwäche hin. Den Mond konnte ich zwischen der Astgabel vorbeiziehen sehen. Wie beruhigend. Darüber hat man(n) wieder in den Schlaf gefunden. Morgens zur Frühstückszeit kamen die Eichhörnchen auf den Ästen fast bis an unser Fenster herangetänzelt. Leben - und das mitten in der Großstadt. Im Sommer traf kein überhitzter Sonnenstrahl auf unseren Balkon - alles so fein dosiert, von den Ästen gefiltert. Ja, und wie es mit einem Freund halt so ist, gab es auch Ärger. Die zig zersausten Nadelzweigchen zum Beispiel, die jeden Herbst auf unseren Balkon wehten und den Naturstein mit Harz besudelten und die so lästig aufzufegen waren. Aber vergessen. Heute kein schlechtes Wort mehr. Heute ist Abschied. Heute ist Trauer. Oh Tannenbaum, möchte man es herausschreien.
Apropos: Selbiger steht - und diesmal völlig mit Berechnung abgeholzt - auch schon auf unserem Balkon und wartet auf seinen Einsatz. Aber dieser Baum, dieses Schnellzucht-Tännchen, verkommt geradezu zu einem Witz, in Anbetracht der Größe, der stolzen Statur, die unsere Sumpf-Rotlerche geadelt hat.
Danke für die gemeinsame Zeit. Bäume wachsen eben doch nicht in den Himmel. Vorher fallen sie halt um. Wie menschlich, Du mein Freund, Du mein Baum!
Apropos: Selbiger steht - und diesmal völlig mit Berechnung abgeholzt - auch schon auf unserem Balkon und wartet auf seinen Einsatz. Aber dieser Baum, dieses Schnellzucht-Tännchen, verkommt geradezu zu einem Witz, in Anbetracht der Größe, der stolzen Statur, die unsere Sumpf-Rotlerche geadelt hat.
Danke für die gemeinsame Zeit. Bäume wachsen eben doch nicht in den Himmel. Vorher fallen sie halt um. Wie menschlich, Du mein Freund, Du mein Baum!
dmkoch - 16. Dez, 21:26