Viele Fragen erreichen Familie Koch dieser Tage zum gesundheitlichen Wohlergehen unseres jüngstgeborenen Juniors. Dazu lässt sich festhalten: Junior II nimmt in kleinen Schritten zu, die übliche Neugeborenen-Gelbsucht scheint gut überstanden und es hat bislang keine weiteren Komplikationen gegeben.
Obwohl seine Wiege bereits eingerichtet ist, bleibt der Weg nach hause für ihn jedoch noch vorerst eine Angelegenheit von mehreren Wochen. Damit rechnen wir erst Ende Januar 2009. Bis dahin sind tägliche Besuche in der Klinik angesagt.
An dieser Stelle bedanken wir uns auch an dieser Stelle für die vielen Glückwünsche und Gaben anlässlich der Geburt und wünschen allen Freunden entspannte Feiertage und einen guten Neustart in 2009.
Ein bisschen werden auch wir noch die Ruhe in den letzten Tagen dieses Jahres genießen. Danach dürften die Nächte eher lauter und kürzer werden...
dmkoch - 21. Dez, 07:25
Die Experten überschlagen sich. Deutschland droht die super-brutal-ganz-schlimm-noch-viel-schlimmer Horror-Rezession. Mein Chef hält dagegen...
Deutschland hat für alles seine Experten. Dem Wesen dieser Experten entspricht es, sich mit Weisheiten zu Wort zu melden. Oft werden Dinge als Weisheit verkündet, die eigentlich jeder logisch denkende Mensch auch so von sich geben würde. Das würde nur Niemanden interessieren.
Aber auch von den vermeintlichen Experten gibt es zu viele. Um nun nicht in der breiten Masse der Experten und Pseudo-Experten unterzugehen, belieben Experten gern ihre Meinung zuzuspitzen. Und so vergeht kaum ein Tag, an dem die derzeitige wirtschaftliche Lage nicht von irgendeinem Experten schlimmer geredet wird, als von den Experten an den Tagen zuvor dies eh´ schon getan wurde.
Da Wirtschaft aber erheblich auch von Psychologie geleitet wird - die Menschen halten schließlich unabhängig von der tatsächlichen Situation ihr Geld zusammen, wenn sie schlimme Befürchtungen für die Zukunft haben – gilt es Zeichen gegen das stetige Verschlimmern der Lage durch stetig sich verschlimmernde Kommentare zu setzen.
Mein Chef hat in diesem Sinne alle in unserem Unternehmen überrascht. Gerade erst hatte unser Betriebsrat eine sehr gute Lohnerhöhungsrunde durchgesetzt, die Finanzkrise hatte Deutschland noch nicht im Griff. Es stand dieser Tage die jährliche Betriebsversammlung an.
Was hätte man von seinem Chef an einem solchen Tag erwartet? Das Wahrscheinlichste wäre eine Rede gewesen, in der sich der Chef vor die Versammlung stellt und die Lohnrunde als im Nachhinein viel zu hoch geißelt. Die meisten Chefs hätten ein düsteres Bild von der Zukunft gemalt und schon einmal durchblicken lassen, dass die letzte Lohnerhöhung wohl in dieser Form so hoch auf lange Zeit nicht mehr ausfallen würde.
Und was machte mein Chef? Ja, von Krise war auch ein bisschen die Rede. Aber das Geschäft sei unter dem Strich gut gelaufen, die Erwartungen seien so schlecht nun auch wieder nicht und daran habe die „Crew“ ihren Anteil. Als jeder das Ende der Ausführungen erwartete, kam nicht das Ende, sondern der Höhepunkt der Ausführungen. Laut Chef erhalten alle Mitarbeiter mit der Dezember-Abrechnung zusätzlich noch einmal 500 Euro extra. Trotz allgemeiner Krise, trotz hoher Lohnabschlüsse, einfach so!
Eigentlich müsste ich den Namen meiner Firma an dieser Stelle nennen. Da ich aber in der PR für dieses Unternehmen arbeite, möchte ich mich nicht dem Verdacht aussetzen, ich würde diese Plattform zu Promotion-Zwecken missbrauchen.
Ungeachtet dessen sind das Experten-Aussagen, die unser Land wirklich braucht. Den gewünschten psychologischen Effekt hat besagter Chef jedenfalls erreicht. Während in den Zeitungen darüber berichtet wird, dass all überall das Weihnachtsgeld gestrichen wird, schätzen sich wohl die Meisten froh, in unserem Unternehmen arbeiten zu können. Die üblichen Lästereien über die eigene Firma entfielen im Rahmen der Betriebsversammlung fast vollständig.
Natürlich mag man jetzt dagegenhalten, vielen Unternehmen gehe es so schlecht, dass solche Aktionen eben nicht überall möglich seien.
Aber wenn alle Chefs von Unternehmen, in denen es prinzipiell noch möglich wäre, so agieren würden wie mein Chef (statt die Krise als billigen Vorwand für Einsparungen zu nutzen), dann wäre das schon ein starkes Auflehnen gegen die Krise.
dmkoch - 10. Dez, 14:50
Vor einem Jahr ist mir die Firma "Print Production" aufgefallen durch - in meinen Augen - besonders "herzlich" übermittelte Weihnachtsgrüße (
Hier geht es zum Beitrag von einst!).
Was wohl dieses Jahr kommen würde von dieser Firma? Gar kein Gruß mehr? Das wäre wenigstens richtig konsequent und würde mich auch nicht weiter ärgern.
Doch diese eigentlich auf Printprodukte spezialisierte Firma weiss dem ganzen Gruß-Prozedere noch die Krone der Grußkunst aufzusetzen.
Es erreichte mich heute wieder eine Mail mit dem knappen Betreff "Weihnachtsgruß". Es war wieder ohne jegliches Anschreiben nur eine PDF-Datei enthalten. Und diese enthielt, welch Gipfel der herzlosen Grußhingabe, das gleiche Zitat von Wilhelm von Humboldt wie anno 2007: „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben!“
Vor so viel Herzlosigkeit hinsichtlich zwischenmenschlicher Verbindungen möchte ich im nächsten Jahr verschont bleiben. Deshalb habe ich der Firma mit einem Link auf diesen Beitrag entsprechend geantwortet.
Merke! Wer nicht wirklich grüßen will, sollte besser schweigen.
dmkoch - 10. Dez, 09:37
Heute wurde unser zweiter Sohn geboren: Oskar Anton. Er wiegt gerade einmal 1.230 g und kam um 17:55 Uhr per Kaiserschnitt in Düsseldorf zur Welt.
Atmen kann er (vorerst) allein. In den kommenden Tagen wird er kämpfen müssen. Dafür wünschen ihm die stolzen Eltern alles Gute. Und natürlich gratulieren wir zu seinem Geburtstag.
Für alle Freunde, Verwandten und Bekannten der Familie Koch: Mama Koch ist von den Strapazen noch etwas fertig. Es geht ihr aber den Umständen entsprechend gut.
dmkoch - 7. Dez, 22:40
Die Web-Euphorie ebbt ab. Sagen die Zukunftsforscher. Die Realität wird über „virtuelle Fakes“ siegen.
Kürzlich berichtete ich über ein paar Tage Online-Abstinenz (Titel „Offline“). Ich, der Online-Junkie, hatte so viel um die Ohren, dass ich einfach keinen Bock mehr auf Vernetzung mit „Gott und der Welt“ hatte. Der Rechner blieb aus. Die Tastatur blieb unbenutzt und Entzugserscheinungen wollten sich nicht einstellen.
Wie ich jetzt einem Zeitungsartikel entnehmen konnte, war das offenbar nur die ganz persönliche Vorwegnahme eines sich andeutenden Trend. Die Menschen gingen demnach immer öfter offline. 2,6 Millionen Menschen in Deutschland bezeichneten sich bereits als „Ex-Onliner“. Der Trend zu mehr digitaler Enthaltsamkeit werde sich verstärken.
Auf den Punkt gebracht: Durch intensive Nutzung von Online-Foren und Kontaktplattformen hätten viele Leute gemerkt, dass ihnen reale Bindungen doch mehr bedeuteten als „digitale Fakes“.
Meine eigene Erfahrung sieht differenzierter aus. Ja, man kann feststellen, dass sich viele Menschen sehr intensiv mit virtuellen (also nicht von Angesicht zu Angesicht präsenten) Kontakten abgeben und dabei ihre realen Gegenüber vernachlässigen. Stimmt nicht? Oh doch! Diese Erfahrung macht man regelmäßig. Da ist der Vorgesetzte, der in einem realen Feedback-Gespräch permanent auf seine Mail-Maschine in die virtuellen Welten blickt. Wahrscheinlich macht er dies ebenso, wenn er sich dann real mit einem dieser virtuellen Kontakte zum Meeting trifft. Da ist die Frau, die kurz nach Beginn des Abendessens lieber das Telefonat mit einer Freundin entgegennimmt, um es während der sich stark abkühlenden Mahlzeit stundenlang fortzusetzen. Dass sich nicht nur Nudeln & Co. dabei rasant schnell abkühlen, sondern nebenbei auch die Stimmung des Partnern, registriert sie nicht.
Doch es gibt auch den Segen der virtuellen Vernetzung. Als Fan einer Fußballmannschaft, die fernab rheinischer Gefilden kickt, kann man(n) endlos mit Seinesgleichen über Erfolg und Miss-Erfolg diskutieren, während das Gespräch hierzu in der heimischen Eckkneipe schnell ins Leere laufen würde. Auch findet man in den Weiten des Netzes garantiert immer jemanden, der gerade an genau dem gleichen Problem zu kauen hat, der genau die gleiche Krankheit zu besiegen hat, der seine Erfahrungen mit dem neuen Automodell ebenfalls sofort mitteilen will – das Netz macht seinem Namen in diesen Fällen alle Ehre. Es vernetzt Gleichgesinnte weltweit und mögen es noch so wenige davon sein.
Wo geht die Reise also wirklich hin? In Zeiten einer Vergreisung und Versingleung der Gesellschaft werden „digitale Fakes“ wohl kaum zum rückläufigen Trend. Wem in der realen Welt das soziale Netz fehlt, der wird es sich (notgedrungen) in den virtuellen Welten suchen. Die Anderen werden vielleicht zu mehr Sachlichkeit zurückfinden. Dort, wo die realen Bindungen ihren Nährboden finden, z. B. in Restaurants, Kneipen oder Lounges werden Smartphones und Laptops immer öfter ausgeschaltet bleiben.
Wer wollte schon ernsthaft mit seinem Notebook ein Tête-á-tête eingehen? Wo sollte man hin mit dem zweiten bestellten Latte Macchiato? Es sieht halt verdammt blöd aus, ihn über die Tastatur zu kippen. Und es macht das Leben sicher nicht lebenswerter...
dmkoch - 28. Nov, 10:05
Die SPD möchte „neue Akzente in der Familienpolitik“ setzen. Zielsetzung dabei: Es soll kräftig abkassiert werden.
Familien können sich in Deutschland nur schwer in der Politik Gehör verschaffen. Das ist irgendwie auch logisch, schließlich gibt es immer weniger „klassische“ Familien. Die Gesellschaft atomisiert sich und vergreist. Warum also sollten die Parteien Familien unterstützen, wenn sie damit kaum noch Wählerstimmen einsammeln können?! Diese Frage haben sich offenbar auch die Partei-Strategen der SPD gestellt und entsprechend beantwortet. Unter dem Deckmäntelchen verbesserter Kinderbetreuung soll kräftig in die Taschen der Familien gelangt werden durch Kappung des so genannten Ehegattensplittings.
Bislang ist es so: Heiraten zwei Menschen, dann werden sie steuerlich gemeinsam belangt. Ihre Einkommen werden zusammengerechnet und insbesondere bei stark unterschiedlich verdienenden Ehegatten kommt gegenüber der Individualbesteuerung ein Vorteil dabei heraus. Vor allem profitieren also Familien von dieser Regelung, in denen ein Partner arbeitet und Geld verdient, während der andere Partner sich (unentgeldlich) um Kinderbetreuung und den Haushalt kümmert. Diese Aufteilung ist meist nicht einer stock-konservativen Weltanschauung geschuldet, sondern vielmehr dem Umstand, dass die Betreuung und Erziehung von mehreren Kindern samt Haushaltsführung mit der Ausübung eines Berufes meist nur schwer vereinbar ist. Im Übrigen sind die Besteuerung eines Halbtagsjobs (in der üblichen Steuerklasse V) und die Kosten für eine Kindertagesbetreuung in entsprechenden Einrichtungen so hoch, dass sich der Stress für die Betroffenen nicht lohnt.
Statt nun aber Anreize für die Aufnahme einer Beschäftigung zu setzen, zum Beispiel durch Schaffen eines Familiensplittings (Verteilung der Steuerlast entsprechend der Kopfzahl im Haushalt), schlägt die selbsterklärte Partei der sozialen Gerechtigkeit den entgegengesetzten Weg ein. Der Splitting-Vorteil soll gekappt werden.
So kann man es natürlich auch machen. Denn: Wenn das Einkommen von Familien reduziert wird, muss quasi zwangsweise ein zweites Einkommen her.
Gern argumentiert die SPD mit einem Klischee. Es wird das Bild einer reichen Ehefrau skizziert, welche faul zuhause herumsitzt, sich die Zeit in den Mode-Boutiquen dieser Welt vertreibt und vom hohen Einkommen ihres Mannes partizipiert.
Ungeachtet unstrittiger Vorteile des Ehegattensplittings, ist es an dieser Stelle hilfreich, sich noch einmal den Leitgedanke des Ehegattensplittings vor Augen zu führen.
Diese Form der steuerlichen Behandlung basiert auf der Ansicht, dass die Familien die Keimzelle der Gesellschaft bilden und deshalb als besonders schutzwürdig angesehen werden.
Was verstaubt klingt, hat konkret für den Staat einen enormen Nutzen. Denn Familienangehörige müssen auch wirtschaftlich füreinander einstehen. Selbst Kinder werden, wenn sie über ein hinreichendes Einkommen verfügen, vom Staat zur Kasse gebeten im Falle der wirtschaftlichen Not ihrer Eltern. Umgekehrt haben auch Eltern ggf. bis ans Ende ihres Lebens wirtschaftlich für ihre Kinder und Ehegatten einzustehen, bevor der Staat einspringt.
Nur billig ist demnach, die Familien steuerlich zu fördern. Das muss nicht zwingend bedeuten, dass Ehegattensplitting in seiner bisherigen Form zu belassen. Wie wäre es mit einem Haushaltssplitting für Partner, gleich ob mit oder ohne Trauschein, gleich ob mit oder ohne Kindern?
Gedankenspiele lassen sich dazu viele anstellen. Hoffentlich besinnen sich die Sozialdemokraten auch noch einmal besserer Lösungen.
dmkoch - 22. Nov, 13:31
In Düsseldorf wird derzeit eifrig über eine beleuchtete Jogging-Strecke am Rhein diskutiert. Die Beleuchtung ist ein Muss.
Ich laufe jeden Tag. Ich laufe bei jedem Wetter. Ich laufe unabhängig von der Tageszeit. Und insbesondere hat es mir die Laufstrecke am Rhein, die so genannte Drei-Brücken-Tour, angetan. Vom Yachtclub aus geht es über die Theodor-Heuss-Brücke in Richtung Oberkasseler Brücke, dann weiter zur Kniebrücke, über dieselbige und hernach wieder am Altstadt-Ufer zurück zum Startpunkt.
Diese Strecke dürfte DIE Laufstrecke der Düsseldorfer sein. Hier trifft man „Hinz & Kunz“. Nun soll ein Teil der Laufstrecke auf der linken Rheinseite mit LED-Leuchttechnik in der dunklen Jahreszeit beleuchtet werden. 170.000 Euro soll das kosten – eine „Lachnummer“ im Vergleich zu anderen Investitionen und städtebaulichen Maßnahmen. Trotzdem regt sich Widerstand. Der Steuerzahlerbund hat angeregt von den Grünen und den Deichwächtern Protest gegen die beschlossene Maßnahme angekündigt.
Es wird das Argument angebracht, die Strecke sei ausreichend beleuchtet durch die benachbarte Straße, im Übrigen könnten Tiere durch die Beleuchtung Schaden finden.
Als passioniertem Läufer mit täglicher Lauferfahrung an besagter Strecke sträubt sich mir das lichte Nackenhaar in Anbetracht derlei Argumentationen. Im Zweifel werden stets die armen Tiere vorgeschoben.
Durch die Scheinwerferlicht der erwähnten, benachbarten Straße werden die Tiere also nicht geschädigt. Aber dezentes LED-Licht verursacht tierischen Kollaterarschaden? Wer schon einmal hat Schafe grasen sehen in direkter Nachbarschaft zur Rheinkirmes, dem kommen ernsthafte Zweifel an dieser Argumentation.
Beleuchtung ist in Großstädten allgegenwärtig, an anderer Stelle weichen Tiere davor nicht zurück.
Und wer ernsthaft behauptet, die Beleuchtung sei auch auf Grund der Sache wegen überflüssig, ist diese Strecke noch nie in der dunklen Jahreszeit gelaufen. Selbst mit Stirnleuchte sieht man Unebenheiten im Straßenbelag (auf Oberkasseler Seite vor allem durch Wurzelwerk verursacht) nur schlecht. Die Verletzungsgefahr ist entsprechend hoch. An dieser Stelle darf ich erwähnen, dass ich mich erst letzte Woche in der Leine eines Hundes verheddert habe. Zwar war der Hund mit einem blinkenden Halsband sichtbar, nicht aber seine Leine.
Auch wäre eine Beleuchtung – es muss ja nicht gleich Flutlicht sein – ein Entgegenkommen gegenüber den sportlichen Ladies unserer Stadt. Denn die sind auf Grund mangelnden Lichts einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Im Kollegenkreis sind mehrere laufbegeisterte Damen dabei, die angeben, weniger zu laufen, weil es im Winter ihnen zu dunkel und gefährlich sei.
Deshalb: Gleichberechtigung muss sein - Licht an bitte am Rhein! Die Läufer und Läuferinnen werden es der Stadt danken.
dmkoch - 19. Nov, 11:34
Retten ist derzeit schwer in Mode. Alle wollen auf einmal gerettet werden. Macht das staatliche Retten überhaupt Sinn?
In Folge der weltweiten Finanzkrise waren es die Banken, die zuerst den staatlichen Rettungsring zugeworfen bekamen. Bürgschaften des Staates sollen dafür sorgen, dass die Banken sich leichter (und günstiger) Geld beschaffen können. Das mag man als Bürger des bürgenden Staates gerade noch schweren Herzens akzeptieren. Immerhin sind es ja die Banken, die unser aller Liquidität zu verträglichen Konditionen sichern sollen. Schaut man allerdings auf die Liste der Banken, die besonders von dem Rettungsangebot Gebrauch machen, kommen einem schon erste Zweifel ob des Sinns der ganzen Angelegenheit. Das Geschäftsmodell der Landesbanken wird schon länger kritisch beäugt. Nicht wenige Finanzexperten halten sie für überflüssig, zumindest hinsichtlich ihrer Anzahl empfehlen sie eine deutliche Marktbereinigung. Weniger Landesbanken täten es auch. Trotzdem geht der steuerzahlende Bürger jetzt erst einmal ins Risiko, damit diese Banken so weiterwursteln können wie bisher.
Nach der Bankenrettung meldete sich die Autobranche zu Wort. Sie fühlt sich noch immer als wichtigste Branche (mindestens direkt nach den Banken) und betont gern ihre Rolle als größter Arbeitgeber. Lange wurde es dem Bürger vorgebetet, also glaubt er es auch. Deshalb ist wohl jetzt auch der Aufschrei nur sehr verhalten zu vernehmen, dass mit Opel sogar ein einzelnes Unternehmen nach einer Staatsbürgschaft schreit.
Bevor sich noch weitere Branchen und Unternehmen dem Rettungsgezeter anschließen, sollte sich der bürgende Bürger langsam mal wehren. Denn die Automobilindustrie ist schon längst nicht mehr Deutschlands größter Arbeitgeber, es ist mittlerweile die Gesundheitswirtschaft mit mehr als vier Millionen Beschäftigten. An diesem Wirtschaftszweig hängen auch Zulieferer und dieser Bereich greift größtenteils auf die gleichen Akteure des Dienstleistungssektors zurück wie die Autobranche (z. B. Speditionen).
Ungeachtet dessen sollte jede Branche ihre hausgemachten Probleme selber lösen. Denn „Deutschland hilft der Super-Branche“ ist ein teures Spiel, wenn dadurch gutes Geld schlechtem Geld hinterhergeworfen würde.
Die Automobilindustrie hat beispielsweise jahrelang in die falsche Richtung gearbeitet. Jeder Effizienzgewinn hinsichtlich des motorischen Antriebs wurde in noch mehr Leistung umgemünzt, statt in eine noch drastischere Reduzierung des Verbrauchs. Auch wurde verkannt, dass der stark alternde und immer mehr kränkelnde Bürger einen immer größeren Teil für seine Gesunderhaltung ausgeben muss und seine finanzielle Alterssicherung und dieses Geld eben nicht in ein neues Auto investieren kann. Wer mag sich da noch einen Mittelklassewagen leisten, für dessen Metallic-Lackierung mittlerweile mehr als 500 Euro zu berappen sind und der insgesamt so viel kostet wie ein innerstädtisches Appartement?
So lange es Marken gibt wie Dacia oder Skoda, die global betrachtet gegen den Trend wachsen, sollte kein Handlungsbedarf bestehen.
Auch die neue Super-Branche Nr. 1, die Gesundheitswirtschaft, sollte nicht unken und mit breit geschwellter Brust (wie am Freitag die Kliniken) nach noch mehr Geld vom Staat oder mindestens Bürgschaften rufen. Denn auch hier gilt, dass erst einmal das Angebot den Bedürfnissen des Marktes anzupassen ist. Braucht Deutschland wirklich mehr als 2.000 Kliniken, mehr als 400 davon allein in NRW? Und müssen die meisten Kliniken wirklich nach Art eines Gemischtwarenladens alle möglichen Behandlungen anbieten, selbst wenn es für viele Therapien bessere Spezialisten in anderen Kliniken gibt?
Die Beispiele zeigen, wie riskant es wäre, ohne Hinterfragen von Geschäftsmodellen vorschnell Subventionen (in Form von Steuerermäßigungen) oder Bürgschaften zu gewähren.
Das Geld sollte denen gegeben werden, die am besten wissen, was sie wirklich brauchen und was nicht – den Bürgern!
Insofern kann man nur hoffen, dass sich die politischen Kräfte durchsetzen werden, die in Richtung von mehr Steuerentlastung für die einfache und mittlere Schicht argumentieren. Das würde den Staat zwar auch teuer zu stehen kommen. Aber der Bürger würde das Geld in das seiner Meinung nach beste Angebot investieren. Es darf bezweifelt werden, dass davon dann also immer die profitierten, die jetzt so laut nach dem Staat schreien. Sie werden sich etwas einfallen lassen müssen, um den Bürger von ihrem Angebot zu überzeugen. Und sonst verschwinden sie halt von der Bildfläche.
dmkoch - 16. Nov, 16:27
Das Hessen-Debakel der SPD ist durchdiskutiert. Was aber bleibt, ist zumindest eine revidierte Meinung vom „Mensch Politiker“.
Sie gelten als machtgeil. Sie gelten als geldgeil. Sie gelten als wenig selbstkritisch. Sie gelten als abgehoben. Und lügen, dass sich die Balken biegen, tun sie auch permanent. So sehen die Deutschen mehrheitlich die Politiker in unserem Land.
Hessens SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti hat sich alle Mühe gegeben, diesem Klischee bestmöglich zu entsprechen. Die vier so genannten Verräter aus ihrer Fraktion haben indes nachhaltig echte Imagepflege für ihren Berufsstand betrieben, wenngleich sie in ihrem politischen Lager hierfür wahrscheinlich bis ans Ende ihrer Tage geächtet werden.
Gleich wie man politisch zu den Vorgängen in Hessen steht, so sollte es doch nach dem Trubel der letzten Tage Würdigung finden, dass sich einmal Politiker völlig anders verhalten haben, als man das gemeinhin ihnen unterstellt.
Jürgen Walter etwa hätte Minister werden können. Okay, das Ministerium hätte nicht seinem gewünschten inhaltlichen Zuschnitt entsprochen. Aber den meisten Politikern wäre dies wohl egal gewesen. Ein nettes Amt, ein nettes Gehalt und nach dem Ausscheiden aus der Politik eine nette Pension – in Anbetracht dieser rosigen Aussichten hätte wohl die Mehrheit der Politiker ein solches Angebot angenommen. Ich hätte es wahrscheinlich auch so gemacht. Nicht so Jürgen Walter. Klar war es doof, dass er so spät erst sein Gewissen entdeckte. Trotzdem verdient Walters Verhalten ausdrückliche Würdigung. Walter steht jetzt existenziell vor dem Nichts. Hätte er getrickst und erst in der Wahlkabine (unbeobachtet) sein Gewissen entdeckt, hätte er wahrscheinlich das politische Erbe Ypsilantis angetreten. Chapeau vor soviel Selbstlosigkeit!
Auch Silke Tesch wusste im TV-Talk bei Beckmann zu überraschen. Sie pflege zuhause einen Angehörigen und die Politik sei ihre einzige Existenzsicherung. Ypsilanti habe ihr sogar das Amt der Landtagsvizepräsidentin angeboten. Nach rein wirtschaftlichen Aspekten hätte Frau Tesch also besser Ypsilanti unterstützt und ihre Landtagsdiäten eingestrichen, als ihre Fraktionsvorsitzende in die Wüste zu schicken und sich selbst aufs politische Abstellgleis zu schieben. Ein zweites Chapeau vor soviel Selbstlosigkeit!
Und was macht der politische Konterpart aus der eigenen Partei, also die Seite, die sich exakt so verhalten hat, wie man es von der Politik erwartet? Sie setzt dem ganzen noch die „Krone“ auf. Die vier Abweichler werden ausgesperrt und kaltgestellt. Kein Diskurs in der Sache, kein Aufeinanderzugehen, kein Prozess der inneren Einkehr und kein Prozess der „Reinigung“. Kurs halten ist stattdessen angesagt, wenn es sein muss mit politischer Gewalt. Wer nicht mitzieht, fliegt ´raus!
Als PR-Manager schüttelt man über derlei Vorgänge nur den Kopf. Eine Kampagne braucht Glaubwürdigkeit. Ohne den Selbstreinigungsprozess, also den Diskurs hinsichtlich der Inhalte, wird die hessische SPD ihre Glaubwürdigkeit aus Sicht des Wählers nicht zurückgewinnen können. So lange dies nicht passiert, kann man sich als Beobachter der Szenerie entspannt zurücklehnen. Denn die nächsten Abweichler werden kommen. Die politischen Gräben sind schließlich tief genug.
Und es besteht die leise Hoffnung, dass manch einer der Abweichler wieder sein Gewissen entdecken wird. Denn Politik funktioniert offenbar doch anders, als man sich das gemeinhin vorgestellt hat.
dmkoch - 12. Nov, 10:08