Dienstag, 11. April 2006

Die rosarote Brille

Für gewöhnlich bezeichne ich mich weder als Optimist oder Pessimist, sondern eigentlich als Realist. Geht es jedoch um die Aktien der Deutschen Telekom in meinem Depot, so scheint jegliche Bewertungslogik außer Kraft gesetzt. Ob mich bislang die Hoffnung beseelte, doch irgendwann den Ausgabekurs wieder zu egalisieren? Spätestens hier merkt der Kenner der Materie, zu welchem Zeitpunkt ich wohl gekauft habe. Der 1. Börsengang im Jahr 1996 kann es nicht gewesen sein. Dann könnte ich heute in etwa wieder schadlos verkaufen. Denn der Kurs liegt am 11.04.2006 ziemlich genau wieder bei 14 Euro (Ausgabekurs: 14,32 Euro). Nein, es war natürlich der 3. Börsengang im Jahr 2000, welcher mit rund 60 Euro pro Aktie gehandelt wurde. Mich trennen also noch satte 46 Euro vom Einstandspreis. Das verlangt also eigentlich nach einer verdammt guten Firmenstrategie und nach verdammt viel Phantasie.

Warum ich die T-Aktie immer noch im Depot habe, kann ich – und das muss ich mir hiermit eingestehen – nicht mit Logik erklären. Vielleicht trägt der heutige Tag dazu bei, dass ich die rosarote Brille absetze. Das liegt an der Lektüre eines Artikels über neueste Entwicklungen in der Telekommunikation der Zeitschrift „Technology Review“. Der Artikel räumt gnadenlos auf mit einem falschen Gedankengang von mir, der mich an meinen T-Aktien bislang noch festhalten ließ. Gedankengang: „Das Zeitalter grenzenlosen Sprach- und Datentransfers geht doch gerade erst los. Da dürfte doch ein Ex-Monopolist quasi die besten Karten haben, wenn er sich erst einmal restrukturiert hat.“

Die brutale Antwort enthielt der Artikel. Demnach stimmt der erste Teil des Gedankenganges tatsächlich mit der Realität überein. Allein – und das ist das Verhängnisvolle – es ist der zweite Teil, der nicht mehr stimmt. Auf den Punkt gebracht: Die Renner der Branche sind andere Unternehmen. Selbst andere ehemalige Staatskonzerne wie etwa KPN (Niederlande) oder Téléfonica (Spanien) seien der Deutschen Telekom um Längen voraus. Demnach gerät die Telekom in Bezug auf alle ihre momentanigen Cash-Cows (DSL-Grundgebühr, Anschluss-Grundgebühr, Sprachumsatz, mobile Daten- und Sprachübertragung) unter massiven Druck durch flexiblere und schlankere Unternehmen unter Ausnutzung der Techniken Kabel-TV-Internet, WLAN/ Wimax, UMTS, Voice over IP sowie GSM-Mobilfunk.

An dieser Stelle sollen nicht alle Techniken im Ausmaße ihrer Bedrohung für den rosaroten Riesen durchdekliniert werden. Ein Punkt stimmt allerdings bedenklich. Es gibt nämlich eine Verbindungsart, hinsichtlich derer die Anbieter noch immer richtig ordentlich abkassieren – die Verbindung zum Handy. Im Fachjargon wird das auch Terminierungsgebühr genannt. Selbst, wer also billigst über das Internet telefoniert, stolpert zwangsläufig beim Anruf auf ein Handy in die Gebührenfalle. Davon wiederum profitiert die Deutsche Telekom als Marktführer im Mobilfunk mit über 25 Millionen Kunden besonders.

Nun stehen jedoch immer mehr Handies vor der Markteinführung, die jedoch auch in der Lage sind, sich in W-LAN-Netze einzubuchen. Mit auf dem Handy vorkonfigurierter Software von Anbietern wie Sipgate oder Skype kann man dann in jedem W-LAN-Netz besonders günstig (zum Teil kostenlos) telefonieren UND sogar angerufen werden – ohne dass der Mobilfunkanbieter einen Cent sieht. Das klingt alles erst einmal technisch sehr verworren und aufwändig. Nur: Wer hat nicht alles ein W-LAN-Netz bei sich zuhause und könnte sich quasi problemlos mindestens dort oder an vielen anderen kostenlosen W-LAN-Hotspots mit seinem Handy automatisch einloggen?

Auch der Traum vom superschnellen VDSL-Netz, über das die Telekom hochauflösendes Fernsehen anbieten möchte, könnte bald ausgeträumt sein. Laut Technology Review sollen schon zwei große Stromkonzerne damit begonnen haben, durchzurechnen, ob sie nicht auch eigene Glasfasernetze an den Leitungen der Telekom vorbei direkt bis in die Häuser der Endkunden hinein anlegen sollten. In den Niederlanden picken sich wohl erste Anbieter bestimmte neue Wohn- und Gewerbegebiete heraus und gehen genau diesen Weg.

Kurzum: Et kütt, wie et kütt. Aber die rosarote Brille sollte ich wohl doch besser mal absetzen. Mag sein, dass der rosarote Riese nicht gegen die Wand fährt. Aber andere TK-Unternehmen dürften sich besser entwickeln können. Sie haben in Relation zur gegenwärtigen Situation der Telekom weniger zu verlieren, dafür aber ungleich mehr zu gewinnen.

Familie Koch

Düsseldorf

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