Dienstag, 9. Mai 2006

Gut gemeint, aber gut gemacht?!

Quer durch die Reihen unserer Freunde, Verwandten, Bekannten, Kollegen...wird das Thema Elterngeld eifrig diskutiert. Vom 1.1.2007 an soll der Elternteil, der zugunsten der Kindererziehung in die Elternzeit geht, für 12 Monate 67 Prozent seines letzten Nettogehaltes beziehen, maximal jedoch 1.800 Euro pro Monat.

Obwohl es hier um richtig viel Geld geht, die der ansonsten eher „geldgierige“ Staat bereit ist zu investieren, fällt die Meinung unseres „Dunstkreises“ einhellig aus, nämlich überwiegend ablehnend. Ich erlaube mir an dieser Stelle zusammenzufassen:

Der Staat hat erkannt, dass Familien enorme finanzielle Belastungen zu stemmen haben. Er meint es also offenbar nur gut, wenn er das Füllhorn über den Geburtenträgern unseres Nachwuchses gedenkt auszuschütten. Dem liegt jedoch die Fehleinschätzung zugrunde, dass Familien in der Startphase des Kinderglückes einer besonderen Belastung ausgesetzt sind. Das mag zwar stimmen, jedoch ist es einhellige Meinung vieler Betroffener, dass die finanzielle Belastung im Verlaufe des weiteren Kinderlebens in jedem Fall noch viel stärker zunimmt. Demnach seien sogar die in der Elternzeit geduldeten finanziellen Einbußen noch verhältnismäßig überschau- und verkraftbar. Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle, dass schon jetzt wirklich bedürftige Eltern diverse Fördermöglichkeiten nutzen können (Erziehungsgeld, Wohnbeihilfen,...).

Diejenigen also, die von der neuen Lösung am meisten profitieren, zum Beispiel Jung-Akademiker mit gut dotierten Vollzeitjobs, wollen offenbar jedenfalls nicht vom Zubrot des Staates ihre Kinderentscheidung abhängig machen. Vielmehr – und das haben durch die Bank alle aus dem „Dunstkreis“ geäußert – sei die Frage nach den Möglichkeiten des beruflichen Wiedereinstieges viel relevanter.

Noch immer ist es in vielen Stadtteilen in Düsseldorf oder auch den umliegenden Städten schier unmöglich, einen Kita-Platz zu bekommen. Von den nicht vorhandenen Möglichkeiten einer Betreuung 0 – 3jähriger Kinder soll gar nicht erst berichtet werden. Und selbst, wer sein Kind in einer Kita untergebracht bekommt, hat böse Klippen zu umschiffen. Manche Kitas machen sechs Wochen im Jahr urlaubsbedingt dicht, kaum einer kann jedoch immer exakt in dieser Zeit ebenfalls seinen Job ruhen lassen. Auch erweist sich die Einschulung in vielen Fällen als böse Falle. Denn der Ausbau von Ganztagsschulen kommt nur schleppend voran. Vielfach mißbrauchen die Schulen Fördergelder und stecken es lieber in die Gebäudesanierung, wie es ein Zeitungsartikel in der heutigen Ausgabe der Rheinischen Post offenbart. Viele arbeitswillige Eltern müssen es demnach als gesichert betrachten, dass sie es sein werden, die sich um ihren nach der vierten Stunde gegen 11:30 Uhr nachhause kommenden Nachwuchs kümmern müssen.

Ob dieser vielen Hindernisse erscheint es eher unwahrscheinlich, dass in Deutschland jetzt auf der Grundlage des neuen Elterngeldes ein wahrer Geburtenboom ausbricht. Auf die direkte staatliche Geldzuwendung würden viele wohl gern verzichten, würden ihnen die Rahmenbedingungen das selbstständige Erarbeiten des Geldes ermöglichen.

Dieses Argument zielt übrigens auch auf die Arbeitgeber. Die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust oder einer schwierigen Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber bezüglich der Wiedereingliederung in den Beruf (z. B. als Teilzeitkraft) lässt viele Arbeitnehmer den Kinderwunsch zurückstellen. Auch dürften viele Väter, an deren Erziehungsanstand derzeit intensiv appelliert wird, aus Angst vor versteckter Diskriminierung und Benachteiligung auf dem weiteren Karriereweg auf den eigenen Elternzeit-Anspruch mit Möglichkeit der verlängerten Elterngeld-Zahlung verzichten. Es könnte sie am Ende teuer zu stehen kommen.

Fazit! Der Weg zu einer kinderfreundlicheren Gesellschaft ist ein sehr langer. Der vorübergehende warme Geldregen in der Elternzeit ist da nur ein schwacher Trost. Und man darf leider auch gespannt sein, wann der erste Politiker entdeckt, welch´ hohen Posten diese Subvention im Haushalt ausmacht. Die Folgen aus so einer Entdeckung kennen wir schon. Die Eigenheimzulage und das Baukindergeld, einst auch wichtige Instrumente der Familienförderung, lassen grüßen...

Wohl dem, der es trotzdem wagt!

Familie Koch

Düsseldorf

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