Donnerstag, 14. September 2006

Gelbe Zettel für graue Zellen

Woran merkt man, dass man alt wird? Gut, einerseits an verstärkter Faltenbildung und diversen „Zipperlein“ hier, da und dort. Andererseits gibt es da aber noch ein Phänomen, dass einem vor Augen führt, dass man wohl ein bischen an Frische verliert.

Bei uns pflastert dieses Phänomen die Wohnungstür, den Schreibtisch, die Wohnzimmerkomode, die Mittelkonsole des Autos und sogar die Innenseite der Deckel von Aktentaschen. Die Farbe Gelb kämpft überall gegen das Vergessen, das Versagen der Farbe Grau – genauer, gegen unsere Hirnzellen. Kurz: Der Verbrauch der genialen Post-itsist im Hause Koch seit Jahren stetig angestiegen. Und das liegt vor allem am Mann des Hauses.

Das Phänomen hat mich gezwungen, etwas intensiver darüber nachzudenken, die grauen Zellen quasi zu trainieren. Vergisst man wirklich schon soviel? Es ist eher etwas Anderes, das einen in die Verzettelung treibt: die Angst, man KÖNNTE etwas vergessen.

So ist man in der Regel erleichtert, wenn man auf einen der Zettel blickt. Weil man dann bemerkt, dass man das darauf Notierte („Kindersitz am 13.9. aus Auto nehmen“; „Vertrag an Bank schicken“; „BdP-Treffen am Di.“ ...) doch noch auch so im Kopf programmiert gehabt hatte. So alt kann man geistig also noch nicht sein. Aber man scheint doch ziemlich unter Druck zu stehen.

Und das kann einen ganz schön altern lassen, weshalb die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas vergisst steigt, wodurch allein auch schon die Angst noch weiter steigt, man könnte etwas vergessen, weil man ja weiss, dass man altert und dabei mehr vergessen könnte als früher.

Der Kreislauf dieses Wahnsinns wird zusätzlich erweitert durch den Umstand, dass man mit der Zeit gegenüber den gelben Zetteln abstumpft. Man hat auf jeden schon X-Mal geschaut, so dass man irgendwann den jeweiligen Inhalt übersieht. Vor lauter Gelb sieht man den Zettel einfach nicht mehr, da selbiger quasi schon inventarisiert mit einem Möbelstück eine dauerhafte Verbindung eingegangen ist. Gelb verliert demnach seine Signalkraft.

Dieses Phänomen bedingt nun wieder weitere gelbe Zettel. Gelbe Zettel, deren Sinn darin besteht, an andere gelbe Zettel zu erinnern.

Ist es erst einmal soweit gekommen, kann man wohl schon ein eher nicht altersbedingten, sondern aus dem Wahn und der Zwangshandlung sich ableitenden Befund unterstellen.

Es fehlt demnach wohl nicht mehr viel, bis der Weg besser zum Psychiater führen sollte. Wie aber sollte man die Termine für die Sitzungen behalten? Für die Sitzungen, welche dem Zwang zu gelben Zetteln aus Angst vor dem Versagen und Vergessen eigentlich entgegen wirken sollten? Vielleicht mit neuerlichen gelben Zetteln?

Nein, wohl doch besser mit MUT ZUM VERGESSEN!

Familie Koch

Düsseldorf

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